Warum Nachsorgetermine so belastend sein können

Nach aussen sieht oft alles wieder normal aus. Die Therapie ist vorbei, der Alltag kehrt langsam zurück und trotzdem gibt es diese Tage, die alles wieder hochholen: Kontrolluntersuchungen. Vielleicht kennst du das auch.

Schon Tage vorher kreisen die Gedanken wieder nur noch um diesen Termin. Man achtet plötzlich auf jedes Ziehen im Körper, schläft schlechter und versucht gleichzeitig irgendwie normal weiterzufunktionieren.

Ich glaube, Menschen, die das nie erlebt haben, können kaum verstehen, was solche Termine emotional mit einem machen. Denn es geht nicht einfach nur um eine Untersuchung. Es ist die Angst, dass sich das Leben erneut von einer Sekunde auf die andere verändern könnte.

Diese Angst hat einen Grund

Oft hören Betroffene:
„Du musst positiv denken.“ Oder: „Es war doch bis jetzt immer alles gut.“

Aber unser Körper und unsere Seele vergessen nicht einfach, was passiert ist. Krebs verändert etwas in einem. Man verliert ein Stück Sicherheit und genau deshalb können Kontrolltermine so belastend sein. Selbst dann, wenn man eigentlich gerade wieder mitten im Leben steht.

Das Warten auf Resultate

Für mich persönlich ist das Warten oft das Schwerste. Diese Stunden oder Tage zwischen Untersuchung und Bescheid können unglaublich belastend sein. Man versucht sich abzulenken und denkt trotzdem ständig daran.

Was mir mit der Zeit aber sehr geholfen hat:

Den Ablauf mit meiner Onkologin ganz genau zu besprechen. Wir haben klar vereinbart, wie ich die Resultate erhalte.

Wenn alles in Ordnung ist, informiert sie mich innerhalb von 2 bis 3 Tagen per E-Mail. Sollte etwas nicht in Ordnung sein, würde sie mich anrufen.

Und genau diese klare Absprache hilft mir enorm.

Denn dadurch muss ich nicht bei jedem Telefon klingeln erschrecken oder ständig mit Angst den Posteingang kontrollieren. Natürlich bleibt eine gewisse Nervosität trotzdem da. Aber das Nichtwissen wird kleiner.

Darum kann ich euch nur empfehlen:
Definiert den Ablauf rund um die Resultate so genau wie möglich.

Fragt nach:

  • Wann bekomme ich den Bescheid?

  • Wie werde ich informiert?

  • Wie lange dauert es ungefähr?

Denn je klarer der Ablauf ist, desto weniger Raum bleibt für unnötige Angst.

Und etwas finde ich besonders wichtig:

Die Zeit zwischen Untersuchung und Resultat sollte, wenn irgendwie möglich, so kurz wie möglich gehalten werden. Diese Tage des Wartens können psychisch extrem belastend sein.

Was mir in Zeit des Wartens hilft

Ich habe gelernt, dass ich mich in diesen Tagen bewusst ablenken muss. Nicht, um die Angst zu verdrängen, sondern damit sie nicht mein ganzes Denken übernimmt.

Was mir persönlich hilft:

  • Musik hören

  • spazieren gehen

  • Freunde treffen

  • bewusst etwas Schönes unternehmen

  • offen über meine Gedanken sprechen

  • mir Ruhe gönnen, wenn ich sie brauche

  • arbeiten und einen normalen Alltag behalten

  • die Angst zu akzeptieren und auszuhalten

Manchmal hilft schon ein Kaffee mit einer Freundin oder ein Spaziergang mit Musik auf den Ohren, damit der Kopf für einen Moment etwas ruhiger wird.

Wenn die Anspannung plötzlich abfällt

Sobald der Bescheid da ist und alles in Ordnung ist, fällt bei mir jeweils eine riesige Last ab

  • Ich bin erleichtert

  • Dankbar

  • Ruhiger

Aber gleichzeitig merke ich dann oft erst richtig, wie viel Kraft mich diese Tage vorher eigentlich gekostet haben.

Nach der Anspannung kommt bei mir häufig eine extreme Müdigkeit.

Und genau dann realisiere ich:
Mein Körper war die ganze Zeit im Alarmzustand, auch wenn ich versucht habe, im Alltag normal weiterzufunktionieren.

Ich glaube, viele Betroffene kennen dieses Gefühl.

  • Man hält durch

  • Man funktioniert

Und erst wenn die Angst kurz nachlässt, merkt man, wie viel Energie diese innere Anspannung gebraucht hat. Darum versuche ich inzwischen, mir nach Kontrolluntersuchungen bewusst Ruhe zu geben. Ohne schlechtes Gewissen. Denn auch diese psychische Belastung ist real, selbst wenn man sie von aussen nicht sieht.

Du bist damit nicht alleine

Wenn du solche Gefühle kennst, bist du nicht schwach. Es ist leider normal. Deine Angst hat einen Grund.

Ich finde, wir sprechen viel zu wenig über die psychische Belastung nach Krebs. Oft denken alle, nach der Therapie sei alles vorbei.

Aber viele Herausforderungen beginnen erst danach.

Vielleicht dürfen wir lernen, liebevoller mit uns selbst zu sein. Vielleicht dürfen wir auch einfach sagen:

„Ich habe Angst und das fühlt sich nicht gut an.“

Herzlich, Andrea

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